Hemmung

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Hem|mung ['hɛmʊŋ], die; -, -en:
das Sich-nicht-Trauen, etwas Bestimmtes zu tun:
er hatte keine Hemmungen und nahm sich das größte Stück Kuchen.
Syn.: Angst, Bedenken, Furcht, Scheu.

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Hẹm|mung 〈f. 20
1. Verlangsamung, Behinderung, Störung od. Unterbrechung leibl. u. seel. Funktionen (Wachstums\Hemmung, Willens\Hemmung)
2. Vorrichtung an Uhren, die den Gang des Räderwerkes in bestimmten Abständen unterbricht
● nur keine \Hemmungen! 〈umg.〉 (ermunternder Zuruf); er hat \Hemmungen; seine \Hemmungen überwinden; gesellschaftliche, moralische, seelische \Hemmungen; er leidet an \Hemmungen

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Hẹm|mung, die; -, -en:
1. das Hemmen (b); das Gehemmtwerden:
eine H. der Entwicklung.
2.
a) etw., was jmdn. in seinem Inneren [aufgrund einer bestimmten ethischen Norm] daran hindert, etw. Bestimmtes zu tun:
eine moralische H.;
er hat keine -en (keine Bedenken), so zu handeln;
b) <Pl.> (jmdn. in der Entfaltung seiner Persönlichkeit sehr behindernde, beeinträchtigende) innere Unsicherheit, die sich bes. in Verkrampftheit u. Unsicherheit im Auftreten äußert; Gehemmtheit:
schwere psychische -en haben;
unter -en leiden;
er ist ein Mensch voller -en.
3. (bei Uhren) Vorrichtung, die das Gehwerk kurzzeitig unterbricht u. dadurch nur in bestimmten Abständen weiterlaufen lässt.

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Hemmung,
 
1) Physiologie: die Unterdrückung eines Zustandes oder die Verhinderung beziehungsweise Verlangsamung oder Unterbrechung eines Vorgangs. So sind z. B. in der Verhaltensphysiologie gewisse Auslöser bekannt, die etwa eine Aggressions- oder Tötungshemmung hervorrufen (z. B. die Demutsgebärde). - In der Neurophysiologie versteht man unter Hemmung eine vorübergehende Aktivitätsminderung von Nervenzellen. Für die Koordination der Tätigkeit des Nervensystems spielen Hemmungsvorgänge eine grundlegende Rolle. Schon bei einfachen Reflexen sind sie wesentlich; z. B. wird beim Schluckreflex die Atmung gehemmt, beim Kniesehnenreflex geht die reflektorische Streckung des Unterschenkels mit einer Hemmung der antagonistischen Beugemuskeln parallel. Hemmende Synapsen werden durch Strychnin selektiv blockiert (die Aufhebung der nervösen Hemmung durch einige Milligramm Strychnin bewirkt tödliche Krampfzustände). Auch im Stoffwechsel spielen Hemmungsvorgänge eine wichtige Rolle, z. B. die kompetitive Hemmung der Enzyme.
 
 2) Psychologie und Psychiatrie: In der Psychologie bezeichnet man als Hemmung v. a. eine Störung des Antriebs durch psychischen Widerstand, der emotionaler Art sein kann (z. B. Affektverkrampfung) oder moralische beziehungsweise ethische Gründe hat (z. B. Forderungen des Über-Ich).
 
Die bewusste Hemmung richtet sich besonders gegen Triebe beziehungsweise Instinkte und Instinkthandlungen. Die unbewusste Hemmung wird meist durch Verdrängung oder durch gleichzeitige, einander entgegengesetzte Bewusstseinsimpulse oder durch Unstimmigkeiten im Zusammenspiel von endogen produzierter aktionsspezifischer Energie und Auslösern beziehungsweise Schlüsselreizen verursacht.
 
In der Tiefenpsychologie wird der Begriff Hemmung von S. Freud schon in seinen Frühwerken für die Folge psychischer Konflikte verwendet.
 
Im Sprachgebrauch der Psychiatrie versteht man unter Hemmung die Verzögerung der Antriebsfunktionen und damit aller assoziativen, sensorischen und motorischen Leistungen (Gehemmtheit). Oft ist Hemmung mit gedrückter Stimmungslage beziehungsweise Depression verknüpft und wird unter Umständen bis zur Attonität (Regungslosigkeit des Körpers bei erhaltenem Bewusstsein) gesteigert; dies wird auch als Sperrung bezeichnet.
 
 3) Recht: Hemmung der Verjährung, Verjährung.
 
 4) Technik: bei mechanischen Uhren zwischen Schwingsystem (Pendel, Unruh) und Gehwerk eingeschaltete Vorrichtung, bestehend aus dem hin- und hergehenden Anker und dem Hemmungsrad (Gang-, Anker- oder Steigrad). Die Hemmung hemmt den Ablauf des Räderwerks im Rhythmus der Periodendauer des Schwingsystems, sodass das Zeigerwerk synchron mit dem Schwingsystem abläuft. Verbreitet sind die Stiftankerhemmung und die Palettenankerhemmung.
 

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Hẹm|mung, die; -, -en: 1. das Hemmen (b), Gehemmtwerden: eine H. des Wachstums, der Entwicklung. 2. a) etw., was jmdn. in seinem Inneren [aufgrund einer bestimmten sittlichen Norm] daran hindert, etw. Bestimmtes zu tun: eine moralische H.; er kennt, hat keine -en (keine Bedenken), so zu handeln; von Skoda ... bedrängt, entschließt sich Semmelweis endlich, seine inneren -en zu überwinden und ... eine ... Überprüfung seiner Arbeit zu fordern (Thorwald, Chirurgen 194); Ich hatte eine H. ..., in sein Gesicht zu blicken (Frisch, Gantenbein 81); Krause erteilte diese ... Auskünfte ohne jede H. (ohne irgendwelche Skrupel), auch ohne sonderlich zu zögern (Kirst, 08/15, 355); b) <Pl.> (jmdn. in der Entfaltung seiner Persönlichkeit sehr behindernde, beeinträchtigende) innere Unsicherheit, die sich bes. in Verkrampftheit u. Unsicherheit im Auftreten äußert; Gehemmtheit: schwere seelische -en haben; unter -en leiden; er ist ein Mensch voller -en; jmdm. seine -en nehmen; du leidest doch sonst nicht unter -en! (iron. od. scherzh.; bist doch sonst nicht so bescheiden!). 3. (bei Uhren) Vorrichtung, die das Gehwerk kurzzeitig unterbricht u. dadurch nur in bestimmten Abständen weiterlaufen lässt.

Universal-Lexikon. 2012.

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